In Springbrunnen Spielfreude findet Ewigkeit. Die Tatsache, dass der Strom des Wassers nie abbricht, erscheint verschwenderisch übermenschlich.  Der Wasserfluss repräsentiert den Lauf der Zeit und attributiert somit jegliches Thema der künstlerischen Gestaltung eines Springbrunnens als ewig oder idealistisch. Der zentrale Punkt meiner Komposition "Springbrunnen" war für mich die Schaffung weitgehend individualistischer Instrumentalstimmen und deren formenreiche, klangfreudige Kombination.

Das erste Stück, "Sieben Variationen ohne Thema", kann als Variationensatz gehört werden, in dem jedoch das vereinende Thema nichts anderes ist als die bloße zeitliche Ausdehnung der einzelnen Variationen. Sie sind alle gleich lang. Der nächste Satz, für Klavier solo, heisst "Drehung" und ist eine Reflexion des ersten Teiles des ersten Satzes.  Hier habe ich eine von mir entwickelte Kompositionsweise benutzt, die ich ebenfalls Drehung nenne.  Durch diese Technik wird ein musikalisches Material allmählich von einem Aggregatzustand in einen anderen übertragen.  Wir kennen aus der seriellen Musik schon die Faszination mit der Korrelation von Tonhöhe und Rhythmus.  In "Drehung" findet eine Übertragung von Tonhöhe in Rhythmus und umgekehrt allmählich statt.  Die musikalische Architektur wird so graduell gekippt.  Im dritten Stück, "Breit", spielen Flöte und Cello Permutationen dessen, was sie im ersten Satz entwickelt haben, aber in der Ferne, verdeckt, während Klavier und Perkussion ganz langsam ihre Folge von gemischten Klangfarben darbieten.  Für mich evoziert dieser Satz den Eindruck, als guckte man einen Springbrunnen von unter der Wasseroberfläche an.  Das zweite Zwischenspiel ist "Überfluss, oder Die heiligen drei Könige" betitelt und ein pompöses solo für Javanische Gongs und tam-tam, das eine hier nicht enthüllte Überraschung enthält.  Im letzten Stück, "Kanonische Modulationen mit Resonanzen", kehrt Material aus dem letzten Teil des ersten Stückes zurück.  es wird hier aufgeblasen und kreiert sich flüssig wandelnde Klangformen.

(Stefan Hakenberg, 2007)


Fountains, Springbrunnen, combine playfulness and amusement with eternity. That the flow of water never stops seems boisterously superhuman. The stream of water, representing the passage of time, identifies the theme of a fountain's artistic design, whatever it may be, as something "eternal" or "ideal." In the composition of Springbrunnen, the central concern was the creation of independent instrumental parts. The parts were invented one at a time, each in its own particular way.

The first piece, Sieben Variationen ohne Thema, can be heard as a set of variations dealing with no theme other than the fact that all seven "variations" are the same length. The next piece, Drehung, the first interlude, is a piano-solo reflection of the first section of the first piece. In the third piece, Breit, the flute and cello play permutations of their own parts of the first piece in the distance while the percussion and piano parts progress extremely slowly through a line of mixed timbres. The second interlude, Überfluß, oder Die heiligen drei Könige, is a pompous solo for Javanese gongs and tam-tam and involves three extra players who enter at the climax of the short piece. In the last piece, Kanonische Modulationen mit Resonanzen, material from the last section of the first piece is inflated creating dense, always different scapes of mist.

(Stefan Hakenberg, 1998)