“Pink Slush” ist mein Geburtstagsgruß an die Ensemblia Mönchengladbach zu ihrem 30-jährigen Bestehen.

Mit der Ensemblia fühle ich mich eng verbunden, denn als junger mönchengladbacher Musiker habe ich ihre Anfangsjahre persönlich miterlebt. Zur Zeit der Gründung der Ensemblia war ich noch Abiturient in Mönchengladbach und bereitete mich gleichzeitig an der Musikschule auf mein Musikstudium vor. Einer der wichtigsten Mentoren für mich war damals der Komponist und Musiklehrer Hermann Große-Schware, der mich bei Gelegenheit bei seinen Konzertveranstaltungen mitwirken ließ. Da gab es mal Vibrafon zu spielen oder ein Volkslied für ein ad-hoc-Ensemble zu arrangieren, oder Herr Große-Schware setzte eine meiner ersten Kompositionen auf ein Konzertprogramm. Etwas später, als ich schon studierte, wurde ich von Hermann Große-Schware rekrutiert, mich im Förderverein der Ensemblia zu engagieren. Das war die Zeit, als in den frühen 80-er Jahren kein Geld mehr für die Ensemblia zur Verfügung stand und viele Bürger unter dem Vorsitz von Große-Schware sich mit allen Kräften für den Fortbestand der Veranstaltungsreihe einsetzten, deren Gründung so viele Hoffnungen auf interdisziplinär offene Musikdarbietungen in Mönchengladbach geweckt hatte. In meinen Erfahrungen mit den ersten Jahren der Ensemblia sehe ich einen der Antriebe, die mich zu der vielfältigen kulturübergreifenden Arbeit, die mein Schaffen bis heute auszeichnet, angeregt hat.

Hermann Große-Schware zeichnete sich damals auch dadurch für mich aus, daß er, der selber gerne am Klavier improvisierte, sogar zu einem Konzert der jazz-rock band kam, in der ich spielte. Der Schlagzeuger der band war der Schlagzeuger, der heute mit dem Vitus-Quartett “Pink Slush” uraufführt, Ralf Baumann.

Die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Ralf Baumann war während meiner Zeit in Mönchengladbach eine ständige Inspirationsquelle. Nicht nur haben wir im Jazz-Bereich gemeinsame Erfahrungen gemacht, sondern ich habe auch die Gelegenheit gehabt für ihn als Vibrafonisten zu komponieren. So entstand das durch Düsseldorf Percussion urauffgeführte “Konzertstück für Vibrafon und Schlagzeug”, sowie meine “Fünf Szenen für Vibrafon”, die hier auf dem Internet zu hören sind. Das gemeinsame Musizieren, gemeinsames Musikhören und viele Diskussionen über Musik waren für mich grundlegende Erfahrungen, die mich bis heute auf den vielen Etappen meiner Laufbahn immer begleitet haben.

So war es eine besondere Freude für mich, meine engen Verbindungen zur Ensemblia, zu Ralf Baumann und zu Mönchengladbach, dem Ort in dem mein Sohn geboren wurde und groß geworden ist, in diesem Geburtstagsgruss zum Ausdruck zu bringen. Wie in der Vergangenheit ist auch dieses Mal meine Komposition durch eine Anzahl von Gesprächen, die ich vor dem Beginn der Kompositionsarbeit mit Ralf Baumann geführt habe, inspiriert worden. Überlegungen zur Schlagzeugtechnik haben mir Motive sugeriert, die sich zunächst in den Streicherstimmen ausbreiten und entwickeln. Daraus ist ein Streichquartettsatz geworden, der sich verselbständigt und dann wieder auf den Schlagzeugpart zurückwirkt.

Ich wünsche der Ensemblia herzlichen Glückwunsch und eine lange, finanziell sichere und weiterhin künstlerisch spannende Zukunft.

(Stefan Hakenberg, 2009)