Scholarly analysis:

International Journal of Music Education (Patricia Anne Simpson)

Reviews:

Abendzeitung (Dieter Stoll)
Nürnberger Zeitung (Karin Lederer)

Previews:

Bayrischer Rundfunk Klassik, 16 July 2010 (Eleonore Birkenstock)
Bayern 5 Aktuell, 11 July 2010 (Eleonore Birkenstock)


Es sind zwei Ansatzpunkte, die aus der Tanz-Oper „Schau nicht zurück, Orfeo" auf dem Klarissenplatz etwas Ungewöhnliches machten. Einerseits das grundierende, schon im Vorfeld weithin beachtete Entstehungs-Projekt mit Schülern aus Bamberg, Nürnberg und Schweinfurt, das sich neben den JugendInitiativen von Simon Rattle und Pina Bausch einreihen darf. Andererseits, und das war die überraschung, der lodernde Ehrgeiz, den multikulturellen Ansatz im Wirbel von Mythen, Sprachen und Instrumenten in ein aufwändig eigenständiges Werk zu verwandeln. [...]

Ausgehend von den Existenz-Grundfragen nach Liebe und Tod tastet dieser vorsichtig vom Gluck-Original gelöste „Orfeo" nach Verbindungslinien. Hakenberg verlässt die Kammermusik-Ordnung, integriert opernfernen Klang mit geöffneten Armen. [...]

Die Inszenierung, die Nina Kühner auf dem steil abgeschrägten Rutschbahn-Podest arrangiert, lässt die 26 Jugendlichen als quirlige Individuen aus eine Lemuren-Masse schälen und wie im Rundlauf durch Bewegungsmuster von Riiki Läser und Ivo Bärtsch gleiten. Dennoch überlagert der Anspruch auf große Oper diese Aktionen, ziehen erstklassige Profi-Sänger wie die am Opernhaus unvergessene Frances Pappas (sie hatte auch die Idee und die künstlerische Leitung) als gefühlssatter Mezzo Orfeo und die mit maßgeschneiderter Höhen-Artistik imponierende Marlene Mild (Euridike) die Aufmerksamkeit auf sich, obwohl sie immer wieder ins kullernde Kollektiv tauchen. Dirigent Peter Selwyn lässt den Klang-Kosmos, der asiatische und orientalische Würze einbezieht und Rock-Musik zumindest andeutet, in aller Vielfalt schillern. [...]

Der lange Beifall würdigte beides.

(Dieter Stoll, Abendzeitung, 2010)


Ein cooler Rutsch in den Hades

[...] Pappas und Mild beschwören das Liebesdilemma sicher und nuanciert im Ton. Hakenberg hat zusammen mit den Jugendlichen die musikalische Gestaltung der Chöre erarbeitet und in das ebenfalls koproduzierte Libretto von Patricia Anne Simpson eingearbeitet.

So multikulturell das Bühnenpersonal, so vielfältig ist auch die Komposition. Koreanische Percussion, harte Gitarrenriffs und die arabische Oud werden in den fliegenden Musikteppich eingewoben. Hakenberg und der künstlerischen Leiterin Pappas gelingt dabei überwiegend das Kunststück, die Rätselhaftigkeit und Mystik des poetisch raunenden Librettos an die gedankliche Wasseroberfläche zu bringen. [...]

Der Tanz als wesentliches choreografisches Element schon bei Gluck wird in kindgerechtes Bewegungsvokabular übersetzt und maßgeblich gestützt von Riika Läser und Ivo Bärtsch, die angenehm unaufdringlich an den Fäden ziehen. In der Schülergruppe finden sie gut aufgelegte Vollstrecker des Kulturauftrages. Die staunt sichtlich begeistert, was in Gluck und ihr selbst steckt. Gluck ist cool und macht so offensichtlich glücklich, dass das Publikum dem Abend und seinen guten Absichten ausdauernd zujubelt.

(Karin Lederer, Nürnberger Zeitung, 2010)