Die fünf Gesänge für Orfeo entstammen Stefan Hakenbergs Tanzoper Schau nicht zurück, Orfeo!, die im Rahmen eines musikpädagogischen Projekts anlässlich der Internationalen Gluck-Festspiele 2010 in Nürnberg uraufgeführt wurde. Ebenso wie die Textautorin Patricia Anne Simpson bezog auch Stefan Hakenberg die beteiligten Schüler in den Entstehungsprozess des Werkes mit ein. Textzeilen in türkischer und polnischer Sprache verweisen auf die Migrationsrealität, die häufig die Lebenswelt der Jugendlichen prägt. Entsprechend wurde das Projekt auch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge großzügig unterstützt. Auch wenn die Gesänge innerhalb der Oper kommentierende bzw. reflektierende Funktion haben, bleibt die Handlung in Umrissen erkennbar – die Todeserfahrung, der Gang in die Schattenwelt, die vermeintliche Rettung der Geliebten und ihr endgültiger Verlust, weil Orfeo sein Verlangen nicht bezähmen kann, sich nach ihr umzuwenden. Der Komponist bildet die Nuancen der Sprache durch eine flexible Rhythmik nach; lautmalerische Aspekte (so etwa das „Echo“ im ersten Gesang) unterstützen Fasslichkeit und Plastizität der Musik. Deren Kraft indes versiegt am tragischen Ende: Der Gesang verstummt – es bleibt nur tonloses Sprechen.

(Stefan Rütter, 2010)