Migration ist ein wiederkehrendes Motiv in Stefan Hakenbergs Kompositionen. Seine weit verzweigten musikpädagogischen Aktivitäten haben ihn mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationen und Kulturkreise in Kontakt gebracht. Ihre Sprache, ihre Lebenswirklichkeit, ihre Prägung durch eigene Sing- und Tanztraditionen – all das wird in seiner Musik auf immer neue Weise umkreist, eingefangen, abgebildet. Migration als Prinzip des Wandels und der Verwandlung kennzeichnet aber auch Hakenbergs spezifische Kompositionsweise. Vermeintlich Bekanntes wird in einen neuen Kontext gestellt, es wird – im wörtlichen Sinne – „verfremdet“ und gerade dadurch in der Wahrnehmung verschärft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mexican Polka, ursprünglich das Scherzo aus Hakenbergs 2004 entstandener Sinfonie Give and Take. Der ohnehin schon skurrile Zusammenprall eines europäischen Volkstanzes mit mexikanischen Rhythmen und Schlaginstrumenten wird in der Bearbeitung für Big Band und Schlagzeugensemble noch intensiviert: Die Konturen der Musik treten klarer hervor, die Melodien „migrieren“, werden von den Musikern aufgenommen und ihrem spezifischen Jazzidiom anverwandelt.

(Stefan Rütter, 2010)